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Das Märchen von der Königstochter Sinhold
mit 21 ganzseitigen Zeichnungen von Klaus Hubert und Frakturschrift
ISBN 978-3-939240-33-4
Heft, 44 Seiten, A5

Es war einmal ein Königssohn, der war groß und stark genug, dass er selbst ein Reich verwalten konnte. Darum sagte sein Vater eines Tages zu ihm:"Ich werde immer schwächer und du wirst immer stärker. Es ist billig, dass du die Regierung auf dich nimmst. Ich will mit dir das Land umreiten und dir alle Grenzen Zeigen. An dir wird es dann sein, zu sorgen, dass dir kein böser Nachbar je,als ein Stück des Reiches entreissen."

Viele Wochen hatten sie zu reiten: denn das Reich war groß. Der Sohn kam dabei auch in Gegenden, die er vorher noch nie gesehen hatte. Der Vater aber kannte alle angrenzenden Länder und nannte ihm alle Reiche und Könige.

Einmal ritten sie tagelang an einem steilen Grenzgebirge vorüber. Kein weg, keine Strasse führte in das Gebirge oder aus ihm heraus. Verwundert fragte der Sohn:"Was ist das für ein seltsames Land zu unserer Linken? Warum hält es so schlechte Nachbarschaft, dass kein einziger Weg herüber oder hinüber führt?"

"Das Land jenseits des Gebirges", erwiderte der Vater, "ist ein verwunschenes Land seit undenklicher Zeit. Schon viele Ritter haben einzudringen versucht und sind nicht zurückgekehrt. Man erzählt, es sei ganz unbewohnt und wüst. Viele Tagesreisen lang sei kein Haus und keine Herberge zu treffen. keine Blume blühe, kein Vogel singe, kein jagdbares Tier sei zu finden. Es müsse darum auch jeder elend Hungers sterben, der es unternehmen wollte, das Land zu erforschen. Auch geht die Kunde von einer verzauberten Königstochter auf einer hohen Felgenburg inmitten des Landes. Aber wer will wissen, ob etwas Wahres an dem allen ist? Die Gelehrten unseres Königreiches haben niemanden auffinden können, der je selber in dem verzauberten Lande war. Alle haben bloß davon gehört. Der letzte Mensch, der jenseits der berge auf dem Wege dahin gefunden wurde, ist eine alte Waldfrau, die aber nicht ums Leben und nicht um den Tod etwas von den Geheimnissen des Zauberlandes verrät." An diesem Tage war der Königssohn wenig gesprächig, und die Edelfräulein, in deren Schloß Vater und Sohn übernachteten, fanden den jungen Fürsten über die Maßen langweilig. -