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Der alte Glöckner hat ausgeläutet,
eine Ostergeschichte
18 Seiten, A5
ISBN 978-3-939240-08-2

mit acht ganzseitigen Zeichnungen von Michael Kupfermann

Es dunkelte. Das kleine Dorf, das über dem fernen Flüsschen im Fichtenwald eingebettet lag, versank in jenem besonderen Dämmerlicht, das die sternenklaren Frühlingsnächte erfüllt, wenn feiner Nebel von der Erde aufsteigt, die Schatten der Wälder verdichtet und die offenen Weiten mit silbrigblauem Flor bedeckt. Alles ist still, nachdenklich, traurig. Das Dorf träumt vor sich hin. Die armseligen Hütten zeichnen sich in schwarzen Umrissen ab; hier und dort flimmern Lichter, ab und zu knarrt ein Tor, ein wachsamer Hund bellt und verstummt wieder. Von Zeit zu Zeit löst sich die Gestalt eines Fußgängers von der dunklen Masse des leise rauschenden Waldes an, ein Reiter kommt vorüber, ein rasselnder wagen. Das sind die Bewohner der einsamen kleinen Walddörfer; sie versammeln sich in ihrer Kirche, um das Frühlingsfest zu feiern.

Die Kirche steht auf einem kleinen Hügel in der Mitte des Dorfes. Ihre Fenster schimmern im hellen Licht. der Glockenturm, alt, hoch und dunkel, taucht mit der Spitze ins Himmelblau. Die Treppenstufen knarren. Der alte Glöckner Micheitsch steigt auf den Glockenturm, und bald hängt seine Laterne wie ein Stern, der sich in die Luft geschwungen hat, i, weiten Raum. dem Alten fällt es schwer, die steile Treppe hinaufzugehen. Die müden Beine versagen den Dienst, er ist verbraucht, die Augen sehen schlecht. Es ist Zeit für ihn, zur Ruhe zu kommen, aber Gott will den Tod nicht schicken. Er hat die Söhne begraben und die Enkel, hat alte und Junge zu Grabe geleitet - er selbst ist immer noch am Leben. Ein schweres Los...